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Logistik zentraler Standortfaktor

am . Veröffentlicht in Güterverkehr

Minden (mt). "Wir müssen in Deutschland aufpassen, dass die Knappheit in der Infrastruktur nicht zum hemmenden Faktor für die Produktion wird." Die Warnung, mit der Bahn-Vorstand Dr. Otto Wiesheu seinen Vortrag schloss, war deutlich. Von Jürgen Langenkämper

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Infrastruktur als Standortfaktor: Günter Kozlowski (von links), Dr. Otto Wiesheu, Hans Jürgen Hansch und Dietmar Schweizer hielten auf Initiative von Steffen Kampeter (rechts) Vorträge bei der verkehrspolitischen Fachkonferenz. Mit im Bild BASF-Pharma-Chemikalien-Geschäftsführer Dr. Roland Minges.
MT-Foto: Langenkämper


Der ehemalige bayrische Verkehrsminister warf am Freitag gemeinsam mit Günter Kozlowski, Staatssekretär im NRW-Verkehrsministerium, bei der verkehrspolitischen Fachkonferenz aus übergeordneter Warte einen Blick auf die sich abzeichnende Entwicklung im Güterverkehr auf Straße, Schiene und Wasser. Hans Jürgen Hansch, Geschäftsführer der Mindener Hafen GmbH, und Dietmar Schweizer von den Mindener Kreisbahnen (MKB) beleuchteten die Situation aus lokaler Sicht.

Auf Initiative des Bundestagsabgeordneten Steffen Kampeter (CDU) informierten sich und diskutierten Kommunalpolitiker und Verkehrsexperten aus Unternehmen und Behörden "Wachstum des Güterverkehrs - Stauchaos oder Chance für Kooperation?". Im BASF-Hochhaus verdeutlichte Geschäftsführer Dr. Roland Minges schon in seiner Begrüßung als Hausherr die Bedeutung von Transport und Logistik für die Standortwahl. Die Verkehrsanbindung habe 1935 bei der Gründung des damaligen Knoll-Werkes in Minden den Ausschlag gegeben.

Wiesheu prognostizierte eine 50-prozentige Steigerung der auf der Schiene zu befördernden Güter bis 2050 von jetzt 3,7 auf dann 5,0 Milliarden Tonnen. Die Tonnenkilometer könnten sich sogar von 600 auf 1200 Milliarden verdoppeln. Doch dafür müsse in Strecken und Bahnhöfe investiert werden. "Wenn wir das alles bauen sollten, bräuchten wir bis 2015 17 Milliarden Euro", richtete er mahnende Worte nicht zuletzt an Kampeter als Haushaltsexperten der CDU-Fraktion.

"Wenn wir nicht auch Produktionsstandort sind, werden wir unsere Dienstleistungsexpertise nicht an den Mann bringen", warnte Kozlowski vor den Folgen einer Deindustrialisierung. Für den Bereich der Logistik, "ein Zukunftsthema", beantwortete er die Kooperationsfrage eindeutig positiv. Als Beispiel führte er die ARA-Häfen (Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam) an, über die 60 Prozent der deutschen Seeimporte laufen. Aus einer früheren Position der Konkurrenz hätten sie die Notwendigkeit einer Kooperation und des Ausbaus der Infrastruktur auch im deutschen Hinterland erkannt. Ähnliches gilt für die deutschen Nordseehäfen, deren Kapazitäten vor allem im Containerverkehr nur im Zusammenspiel mit dem Hinterland auszuweiten sind. "Minden ist hier in einer sehr, sehr guten Lage."

Diese Ausführungen ergänzten Hansch und Schweizer um lokale Details. Sie erläuterten Perspektiven und Engstellen für die weitere Entwicklung.

In der anschließenden Diskussion gaben Gerhard Schmidt und Reinhart Ahnefeld als Vertreter der Ausbildungsgemeinschaft für das Transportgewerbe in Ostwestfalen (ATO) den Vertretern der Bundes- und Landespolitk ihre Forderungen nach Ausbau auch der Straßen-Infrastruktur und gleicher Abgabenbelastung wie für ausländische Spediteure mit auf den Heimweg.

Quelle: Mindener Tageblatt